Teil 2 // Stille Geburt und Sternenkinder 

ZM: Welche Hilfsansprüche haben Sterneneltern noch?

Daniela: Zum Beispiel Hebammenhilfe - das wissen die wenigsten, dass die Hebamme (auch schon bei einer frühen Fehlgeburt) zur Nachsorge kommen kann und das eine Kassenleistung ist. Meist melden sich die Frauen nur bei der Hebamme ab, aber sie dürfen ruhig auch anrufen und sie um Unterstützung bitten. Und die Sternenkinderfotografen von deinsternenkind.eu, die den Eltern wichtige Erinnerungen an das kurze Dasein ihres Babys schenken, indem sie ehrenamtlich professionelle Bilder machen.

ZM: Wie ist die Rechtslage?

Daniela: In der Rechtslage und der Medizin wird die Unterscheidung gemacht zwischen Babys unter und über 500 g  bzw. vor und nach der 24. Schwangerschaftswoche. Das hat Auswirkungen auf Mutterschutz, Bestattung und Beurkundung des Babys. Für trauernde Eltern sind diese Unterschiede emotional irrelevant. Ich finde es wichtiger, dass sie in der Situation ernst genommen werden, in der sie gerade sind, egal wie groß oder klein das Kind war.

Für Eltern, die sich meist ab einem sehr frühen Stadium in der Schwangerschaft gedanklich und emotional an das Kind binden, ist der Tod des ungeborenen Kindes zu jedem Zeitpunkt mit Schmerz und Trauer verbunden - wenn auch in ganz unterschiedlicher Intensität. Wir wissen auch oft nicht um die Hintergründe, die auch eine Rolle spielen: ein lang gehegter Kinderwunsch oder bereits zuvor erlittene Verluste können Verstärker sein, die wir von außen gar nicht sehen. Es gilt also hier sehr rücksichtsvoll zu sein und die Eltern ernst zu nehmen. Das gilt für Fach- und Pflegepersonal in Kliniken genauso wie für Angehörige.

ZM: Welchen besonderen Herausforderungen stehen Sterneneltern gegenüber?

Daniela: Ein schwieriger Punkt für Eltern, die ihr Kind so früh verloren haben ist die Tatsache, dass noch niemand ihr Kind richtig kannte und vielleicht auch nie gesehen hat. Aber für die Eltern war das Kind schon real und sie betrauern diesen Verlust. Da sich noch nicht so viele andere Menschen an das Kind gebunden haben, fühlen sich die Eltern in ihrer intensiven Trauer oft alleine. Erinnerungsstücke, die man mit anderen teilen kann, wie Bilder oder Fußabdrücke sind daher umso wichtiger.
In der Trauer der Eltern sind auch alle Wünsche, Hoffnungen und Vorstellungen enthalten, die sie mit der Erwartung auf dieses Kind verbunden haben: ein Lebensentwurf, den sie vor sich gesehen haben.

ZM: Wie gehst Du selbst mit den individuellen Trauersituationen um?

Daniela: In der Beratung der Sternenkindersprechstunde und auch in den Kursen erlebe ich sehr unterschiedliche Umgangsweisen mit der Trauer. Mir ist wichtig, dass ich den Eltern keinen "richtigen" Weg vorschlage. Mein Anliegen ist es, ihnen dabei zu helfen, ihren Weg zu finden und sie dabei zu unterstützen. Es gibt für mich in der Trauer kein Richtig und kein Falsch. Aber gerade wenn Partner unterschiedliche Umgangs- und Ausdrucksweisen in der Trauer haben, lohnt es sich darüber miteinander im Gespräch zu bleiben.

ZM: Gehen Mütter anders mit der Trauer um, als betroffene Väter?

Daniela: Diese Frage, ob Mütter anders damit umgehen ist wirklich schwer zu beantworten. Sie haben andere Voraussetzungen, weil sie körperlich viel mehr eingebunden sind und Schwangerschaft und Geburt am eigenen Leib erlebt haben, während die Schwangerschaft für den Partner manchmal sogar noch etwas abstrakt war. Grundsätzlich glaube ich aber, dass alle Menschen unterschiedlich und individuell trauern und das trifft auf die Partnerschaft natürlich genauso zu. Ich mag es nicht gerne, pauschal von den Vätern oder den Müttern reden. Ich erlebe es aber zunehmend, dass Paare gemeinsam in die Sternenkindersprechstunde kommen und die Väter das Angebot für Gespräche und Aufarbeitung auch gerne nutzen.


Daniela Nuber-Fischer
 

Gfg-Familienbegleitung® für Themen
 nach der Geburt - Systemische Beratung -
 Trauerbegleitung für Sterneneltern
​Foto // Daniela Pfeil
 
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